Vorschaubild Abiturvorbereitung mal anders - kollaborativ und digital
Unterrichtsbaustein

Abiturvorbereitung mal anders - kollaborativ und digital

Jeder kennt es - die Zeit wird knapp, das Material ist ungeordnet, das Abi rückt näher. Da hilft nur eins: Einer für alle, alle für einen!

Christian Thiede
Kerstin Boveland

1. Einstieg

Ziele

Während dieses Projektes lernen die Schülerinnen und Schüler die Vorzüge des kollaborativen Arbeitens kennen. Sie lernen, ihre Stärken, ihre Interessen und ihr Expertenwissen zu erkennen und dieses so auf Padlet zu präsentieren, dass ihre MitschülerInnen davon profitieren können. Dabei kommt es darauf an, Relevantes von Irrelevantem zu trennen sowie eine ansprechende und übersichtliche Darstellungsform zu finden. Im Idealfall nehmen die Schülerinnen und Schüler selbst eine didaktische Reduktion vor. Sie lernen die Technik des Exzerpierens kennen und wenden diese an. Sie lernen, verschiedene Dateiformate auf eine digitale Plattform zu laden und für diese eine sinnvolle gemeinsame Ordnung zu finden. Dabei lernen sie, verantwortungsvoll mit ihrem und dem Wissen und geistigen Eigentum der anderen umzugehen.

Fachkompetenzen

Neben den methodischen Kompetenzen des Sprachenlernens aus dem Bildungsplan, die hier alle gefestigt werden können, werden besonders die Lese- und Schreibkompetenz gefördert.

Kompetenzen in der digitalen Welt
  • Zusammenarbeiten
  • Weiterverarbeiten und Integrieren
  • Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen
Medienausstattung

Tablets

Smartphones

Computer

2. Details

Informationen zum Unterrichtsgegenstand

In den modernen Fremdsprachen nehmen die Schülerinnen und Schüler in vielen Bundesländern an den schriftlichen Prüfungen des Zentralabiturs teil. Um sicherzugehen, dass überall die gleichen Inhalte gelehrt werden, findet man auf den einzelnen Bildungsservern detaillierte Informationen zu den jeweiligen Themen und Schwerpunkten- in Hamburg in den Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben. In diesem Fall handelt es sich um das Thema Québec, das eines der beiden Themen im Zentralabitur 2019 ist. Das Projekt ist 1:1 auf andere Sprachen und Themen übertragbar, beispielsweise auf das Thema Canada - a land of diversity. Während der Kursarbeit wurde sich an den einzelnen Schwerpunkten des Zentralabiturs wie z.B. an den "Kenntnissen über den historischen Kontext" orientiert. Zu Beginn des Semesters bildeten sich Expertengruppen zu den einzelnen Unterpunkten, die Produkte (Filme, Präsentationen, Zeitungsartikel, Podcasts, Handouts, szenische Darstellungen, imaginäre Reisen (Montréal), …) zu ihrem Spezialgebiet erstellten und diese präsentierten. Zu jedem Produkt musste eine Liste mit den wichtigsten fachlichen Ausdrücken und neuen Vokabeln auf Französisch (mindestens 15) und ein Handout mit den wichtigsten Informationen erstellt werden. So kam eine große Menge an Material zusammen, das nicht immer kopierfähig war. Es entstand der Wunsch seitens der Lernenden, einen Ort zu finden, an dem all das gesammelt werden kann, was inhaltlich und sprachlich für die Abiturprüfung relevant ist, um es dann griffbereit und gut aufgearbeitet zur Vorbereitung nutzen zu können. Schnell war ein Padlet "geboren", auf dem die Lernenden ihre Audio- und Videodateien (leider nur bis zu 40 sec), ihre Handouts, ihre Vokabellisten und alles, was sonst relevant erscheint, hochladen können. Dazu gibt es folgende Vereinbarung (siehe auch Arbeitsblatt): alle vorgegebenen Unterpunkte zum Thema des Zentralabiturs werden von mindestens einer Gruppe bearbeitet. Material wird auf drei Ebenen hochgeladen: von ausführlichem Informationsgehalt über Exzerpte bis hin zu einer Schlagwortsammlung (keywords/mots-clés) in der entsprechenden Zielsprache. Wer Experte für etwas ist, lädt das von ihm oder ihr Erarbeitete hoch, z.B. einen Film zur Kolonialisierung Kanadas auf Ebene eins zum Thema ‚Historischer Kontext‘. Auf Ebene 2 wird exzerpiert bzw. kommentiert, auf Ebene 3 finden sich Schlagworte zum Thema. Mit diesem Angebot kann jeder Lernende vor dem Abitur selbstständig entscheiden, welches Thema wie intensiv vorbereitet werden soll. Auch eine reine Auseinandersetzung mit den Schlagworten kann dabei durchaus hilfreich sein. Ein großer Vorteil besteht darin, dass hier größtenteils mit dem den Lernenden bekannten und von ihnen erstellten Material gearbeitet wird. Durch die Erinnerung wird das Lernen so sehr viel nachhaltiger.

Beschreibung des Unterrichtsbausteins

Die Lernenden arbeiten sehr selbstständig an ihren Themenschwerpunkten. Dabei nutzen sie Methodenwissen, das sie im Laufe ihrer Schulzeit erlernt haben, um ihr Wissen möglichst übersichtlich und eingängig für ihre MitschülerInnen darzustellen. Sie lernen, ihr Wissen unterschiedlich ausführlich aufzuarbeiten (3 Stufen) und für den ganzen Kurs, evtl. sogar für einen ganzen Jahrgang, die ganze Schule oder öffentlich zu präsentieren. Die sprachlich Stärkeren arbeiten dabei fast ohne Hilfe, die sprachlich Schwächeren bekommen Unterstützung von der Lehrkraft, um ihre Beiträge sprachlich richtig auf einem angemessenen Niveau präsentieren zu können. Aufgrund der hohen Selbstständigkeit gibt es genug Zeit und Raum, sich den sprachlich Schwächeren zu widmen. Auch eine Gruppenkonstellation von stärkeren und schwächeren Lernenden kann die Lehrkraft zusätzlich entlasten, um Zeit für diejenigen zu gewinnen, die von einer intensiven Betreuung profitieren.

Bildungsplanbezug

Laut Bildungsplan der gymnasialen Oberstufe soll das Gelernte ständig aktiviert, gefestigt und erweitert werden. Alle drei Bereiche werden während dieses Projekts bedient. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der häufig etwas vernachlässigten Festigung und der ansprechenden Aufbereitung des Gelernten in Hinblick auf die Abiturprüfung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kompetenzen des Lesens sowie des Schreibens und des Hör-/Sehverstehens. Kurz vor dem Abitur können die Lernenden hier ihr gesichertes Inventar von Lern- und Arbeitstechniken anwenden und festigen (S.30).

Möglichkeiten der Differenzierung / Individualisierung

Es besteht die Möglichkeit der qualitativen und quantitativen Differenzierung über unterschiedlich komplexe Inhalte und über die Anzahl der ausgewählten Themen. Beides muss in der Regel kaum gesteuert werden, da die Lernenden ihre Stärken und Interessen sehr gut einschätzen können. Besonders starke Schülerinnen und Schüler erarbeiten während dieser Phase sogar selbstständig Themen, die während der Kursarbeit wegen Zeitmangels nicht behandelt werden. Eine Orientierung an den Themenschwerpunkten nach grundlegendem und erhöhtem Anforderungsniveau lässt eine weitere Differenzierung zu.

3. Hinweise & Links

Hinweise

Für dieses Projekt sollte das Ende des jeweiligen Semesters genutzt werden, in dem die Lernenden über einen Zeitraum von ca. 4 Wochen das Gelernte sinnvoll arrangieren und aufbereiten. Ein großer Vorteil von Padlet ist, dass dort viele verschiedene Formate hochgeladen werden können. Die Lernenden können dort Texte (sogar ganze Seminararbeiten in der Zielsprache), Fotos (auch von Tafelbildern), Links, kurze Filme (selbst erstellte Erklärvideos), Audioaufnahmen und vieles mehr hochladen. Sogar Audioaufnahmen direkt in die App sind möglich, sodass z.B. eine Vokabelliste auch ‚gesprochen’ werden kann.

Weiterführende Literatur und Links